DER SCHLAUE
BRASILIENREISENDE
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Salvador - Bahia - Brasil
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WISSENSWERTES ÜBER BRASILIEN ODER COISAS DO BRASIL

Copyright by Reinhard Lackinger



    Brasilien ohne Salvador, wie Rom ohne Vatikan?
     Rio de Janeiro, Foz do Iguaçu, Pantanal de Mato Grosso, Brasilia, Manaus, Fortaleza, Salvador... Moderne Flughäfen, klimatisierte Omnibusse, nagelneue Luxushotels mit tropischem Flair, gut ernährtes Dienstpersonal, Poolbar, kaffeebraune Begleiterinnen und viel Sonne.
     Wären damit die wichtigsten Wünsche der Urlauber erfüllt, die im grauen Alltag von Lüdenscheid, Leoben oder Ludwigsburg von einer Reise nach Brasilien träumen?
     In Rio de Janeiro kann nichts schiefgehen. Mit der Gondel auf den Zuckerhut, mit dem Taxi den Corcovado hinauf zur Christusstatue, die Strände entlang. Flamengo, Botafogo, Copacabana, Ipanema, Leblon…
     In Foz do Iguaçu die Wasserfälle, im Pantanal Matogrossense Jacarés, wie die hiesigen Krokodile genannt werden, Flora und Fauna. In Brasilia die aseptische Bundeshauptstadt mit Oscar Niemeyers Architetur, in Manaus einen Einblick in den Urwald, in Fortaleza Strände und in Salvador…
     In Salvador merkt der geneigte Tourist plötzlich, daß dieses riesige Land viel mehr Sehenswürdigkeiten und Geheimnisse birgt, als er seinem Reiseführer entnehmen kann.
     Noch kennt er weder den europäischen Süden, die geschäftstüchtige Industriemetropole São Paulo im Südosten, noch das das armselige Vieleck der Dürre im Nordosten Brasiliens.
     Salvador, Bahia die erste, 1549 gegründete Hauptstadt Brasiliens, birgt sowohl koloniale als auch postmoderne Architektur. Ein Bühnenbild aus europäischer, nordamerikanischer und vor allem aus afrikanischer Kultur, auf dem Schwarze und Weisse, Mestizen und Mulatten, Arme und Reiche friedlich miteinander leben können.
    Vor dem Weg zur Tourismusagentur in Köln, Kufstein oder Köflach, lohnt es sich bestimmt, mehr über dieses magische Land zu erfahren. Die sympathischen Menschen im Reisebüro zwängen ihre Kundschaft zu gerne in eine schlecht geplante Reiseroute, buchen sündteure und sterile Hotels, fernab allen brasilianischen Lebens.
     Es soll schon Urlauber gegeben haben, die auf ihrer Brasilienreise gar nicht nach Salvador gekommen sind. Wie Pilger, die nach Rom fahren, ohne den Vatikan zu besuchen.

    Brasilien. Ein Problem, das verhindert hätte werden können…

    Die Geschichte erzählt uns vom portugiesischen Seefahrer Pedro Álvares Cabral, der am 22.April 1500 Brasilien entdeckt hat. In Porto Seguro, Bahia.
    Warum, so frage ich, haben die Portugiesen so lange gezögert und Salvador, die erste Hauptstadt Brasiliens, erst 1549 gegründet?
    Das Land war wunderbar tropisch, exotisch und fruchtbar, wie aus Pero Vaz de Caminha’s Brief hervorgeht. Die Erde schenkte Gold, Smaragde und Diamanten. Die Ureinwohner, Pataxós und Pankararés waren lieb… die Indianerinnen noch lieber. Índios, die nach wie vor von ihrer Umwelt leben, ohne diese zu zerstören…
    Warum, so frage ich, bauten die Portugiesen nicht gleich Siedlungen? Resorts, Clubs Méditerranée für den europäischen Adel des 16. Jahrhunderts…
     “Der weisse Mann taugt nicht für die Feldarbeit in tropischen Gefilden”, behaupteten die Portugiesen und begannen Negersklaven zu importieren, die zur Schwerarbeit überredet wurden. Hals - Fuß - und Handschellen, Peitschenhiebe und Ketten sorgten für die notwendigen Argumente.
    Wenn es den Portugiesen in Bahia zu heiß war, um manuelle Tätigkeiten zu verrichten, warum trugen sie dann die aus dem Königreich mitgebrachten Samthosen? Auch wenn die Temperaturen damals angenehmer waren als im heutigen Rio de Janeiro, so dürfte es in jenen Beinkleidern nicht selten zu aufgeriebener Epidermis gekommen sein. Derweil verblieben die “pays bas” der nur mit einem Hemd bekleideten Sklaven frisch wie der Atem nach dem Zähneputzen.
     Zweifellos begann dieses verrückte Land schon damals und im 16. und 17. Jahrhundert seine eigene Zwangsjacke zu schneidern.
    Brasilianischer Boden wurde unter Freunden des Königs aufgeteilt. Das Resultat: eine schmarotzerhafte Elite, bis heute unfähig, ohne Privilegien zu leben.
     In den Städten bemühten sich die Kolonialherren, die Umwelt so weiß wie möglich zu halten. Am liebsten hätten sie Salvador in ein Paris verwandelt. Es gelang ihnen aber nicht. Die Sklaven zwängten sich trotz Polizeigewalt überall ins Bühnenbild, ließen sich nicht auf die Zuckerrohrplantagen und in die Senzala, die Sklavenhütte verbannen.
     Heute noch weigern sich die armen, dunkelhäutigen Nachkommen der Sklaven in ihren Slums, den sogenannten Favelas zu verharren, mischen sich ungeniert unter diejenigen, die sich für weiss halten, teilen mit ihnen Gehsteig und Shopping-Malls.
    Warum, so frage ich, gelang es bis heute nicht, die riesige Kluft zwischen einigen Privilegierten und Millionen von Entrechteten auszumerzen? Wie weit hemmt der verschleierte Rassismus Politik und Wirtschaft?
     Hätten die Portugiesen ein halbes Jahrtausend gezögert um dieses magische Land zu kolonisieren, anstatt nur ein halbes Jahrhundert, wäre uns viel Ärger erspart geblieben… Anstelle unlöslicher Probleme gäbe es heute nur die sauberen, nach westlichen Maßstäben orientierten Hotels an wunderschönen Stränden, mit lauem, kristallklarem Wasser, Kokospalmenhainen… und Indianerhandwerk. Überall! Nicht nur in Porto Seguro und Coroa Vermelha…

    Des einen Freud, des anderen Alptraum

    Wer von uns hatte nicht schon das Glück erlebt, seinen Urlaub in einem Land zu verbringen, wo alles so viel billiger war als daheim? Wir wogen kiloschwere Speise - und Weinkarten in den Händen und rechneten. Lire, Forint, Pesos…
    Manchmal überkam uns sogar der Eindruck, das sündhaft billige Gelage würde uns viel besser munden, wäre es auch nur um ein paar Escudos, Drachmen oder Zloty teurer… So ein Delirium verflüchtigt sich aber schneller als das Parfum einer vorbeiwehenden Schönen.
     Wie viel würde die Villa kosten, stünde sie nicht im sonnendurchfluteten Süden und inmitten blühender Zitronenbäume, sondern in der silbergrauen Bundesrepublik? Wie viele Millionen mehr? DMark, nicht Lire!
    Krasse Wertunterschiede im Bereich der Tarife von Hotelzimmern und Mietwagen, Immobilienpreisen, Wein - und Speisekarten.
    Verzerrte Beziehungspunkte, die vertaut werden müssen… Aber von wem?
    Der Urlauber vergeudet keine Zeit mit sozial-ökonomischen Erwägungen. Ihm obliegt es, die günstigsten Bedingungen für die Sommerfrische zu finden.
    Diesbezüglich liegt mir ein guter Rat für Last-Minute-Passagiere auf der Zunge und ein Felsbrocken im Magen.
    Wegen der galoppierenden Geldentwertung in Brasilien, kriegt der Tourist heute um gute 30% mehr Reais, Einzahl “der Real” ( so heißt die aktuelle Währung in Brasilien ) für seine Mark, Schilling und Franken - obwohl er nur Dollar mitbringen soll - als vor wenigen Wochen.
     Dabei ist wichtig zu wissen, daß es in Brasilien 3 verschiedene Dollarkurse gibt. Nur zwischen Einkauf und Verkauf zu unterscheiden ist dem Brasilianer zu langweilig. Er kennt deshalb den “offizielen” Dollar vom “Touristendollar” und vom Schwarzmarktdollar, den “dólar paralelo” auseinander.
    Den offiziellen Dollarkurs bekommt man auf der Bank. Den “dólar paralelo” beim Makler. Im Hotel kriegt man einen schlechteren Kurs, ist aber bei kleinen Beträgen sicherer. Der Touristendollar dient nur dem brasiliansichen Urlauber, der Travellerchecks kaufen will und für ähnliche Operationen.
    Um stets den aktuellen Dollarkurs zu wissen, schlagen Sie bitte die erste Seite des Online-Touristenjournals auf : www.reg.combr.net/jornal.htm
     Der Felsbrocken in meinem Magen kommt davon, weil ich meinen Unterhalt in Reais verdiene… Wenn das kein Alptraum ist?

    Brasilianische Realität oder Neuling in Brasilien

    Wie alle Ausländer, so war auch ich anfangs Opfer von Witzbolden, die dem Neuling alle möglichen brasilianischen Unworte und salonunfähigen Begriffe beizubringen versuchten.
     So erzählte man mir unter anderem, daß der Name dieses wunderlichen Landes ein Kürzel war. “Brasil” würde nichts weiter bedeuten als: “Bravos Rapazes Americanos Silenciosamente Irão Levando”!!! Frei ins Deutsche übersetzt: “Tüchtige Burschen Amerikas Lautlos Werden Wegschleppen”.
     So komisch das damals auch klingen mochte, es war leider nicht zum Lachen. Brasilianischer Galgenhumor. Das tragische Bild hat sich in all den Jahren nicht geändert. Das Volk schaut nach wie vor in eine ungewisse Zukunft, die nicht etwa in Legislaturperioden, sondern höchstens in Stunden gemessen werden darf.
     Nach wie vor schleppt alle Welt weg, was irgendwie verfrachtet werden kann. Rohstoffe in die USA, Edelhölzer nach England und Japan, Kakao und Jojoba in die Schweiz, Soja, Orangensaft und Kaffee nach Europa, ebenso Orchideen, Zierfische, Blaue Araras, Giftschlangen, Krokodilhäute und Heilpflanzen. Produkte mit möglichst wenig hinzugefügter Technologie. Einige von ihnen finden den Weg zurück als Schokolade, Medikamente und Kosmetika. Geschäfte, die uns vermuten lassen, daß dem brasilianischen Volk nicht unbedingt der Löwenanteil zusteht. Nicht nur Mahagonibretter, tiefgefrorene Rinderhälften und Zigarren reisen in Richtung Norden. Unsere Wissenschaftler arbeiten in den USA, unsere Fußballprofis kicken in aller Welt, unsere Mädchen machen “Trottoir” in Spanien. Buben werden zu Dutzenden aus unseren Schülermannschaften gerissen und nach Europa gezerrt. Neugeborene und Kleinkinder werden mit Hilfe gerissener Anwälte und Richter von italienischen Ehepaaren adoptiert und außer Land gebracht.
     Schon längst wirft alle Welt ein Auge auf unser Süßwasser. Ich bin gespannt, ob die reichen Industrieländer eine effiziente Methode finden werden, um anzuzapfen, um unser Trinkwasser wegzupumpen, ehe die habgierigen und brandschatzenden Großgrundbesitzer die letzte Quelle im Innenland zum Versiegen bringen.
     Der einzige Reichtum, den uns der heißhungrige Raubkapitalismus vorläufig nicht entreissen kann ist das wunderbare Klima. Die Sonne, die das Land und insbesondere die brasilianischen Küstengebiete in den schönsten Farben leuchten läßt. Das laue, blaue Meer, die endlosen Sandstrände. Ein Klima, das auch in den Wintermonaten angenehm ist. Trotz der häufigeren Niederschläge.
    Nachdem “Der schlaue Brasilienreisende” laufend den aktuellen Dollarkurs bringt, zeigt er neuestens auch das Wetter in Brasilien. Sonne, Wolken, Regen, die Temperaturen verschiedener Orte, Satellitenbilder… Auf portugiesisch, damit sich der potentielle Brasilienreisende einstimmen, anstatt Schimpfwörtern, die Namen der Wochentage und andere wichtige Begriffe lernen kann.
     Heute hat der geneigte Leser von “Der schlaue Brasilienreisende” zwei Beweggründe mehr, um täglich einen Blick in “Der schlaue Brasilienreisende” zu werfen. Er erfährt nicht nur, wie viele Reais er für jeden seiner Dollars kriegt, sondern auch, wie in den nächsten paar Tagen das Wetter am Urlaubsort sein wird.
     Egal, welche der beiden Informationen dem schlauen Brasilienreisenden auch wichtiger zu sein scheinen… In letzter Zeit ist das Wetter stabiler als der Dollarkurs!

    Brasilianische Fußballgedanken
1. Teil Mané Garrincha


    Um ein Land, eine Region, eine Stadt kennenzulernen braucht man nur den Fußballsport jener Gesellschaft zu beobachten… sagt eine alte brasilianische Weisheit. Brasilien, das “molecagem”, also Lausbubenhaftes nicht nur im Fußball hat…
    Garrincha war das größte Fußballgenie aller Zeiten! Nicht Ronaldinho, nicht Pelé, weder Zico, noch Dieguito Maradona... Darin sind sich alle brasiliansichen Fußballfans einig. Mit seinen krummen unteren Extemitäten - jeweils ein O - und ein X - Bein -, wurde Mané Garrincha anfangs von einigen Clubs verschmäht. “Was erlaubt sich nur dieses lächerliche Krüppel”, meinte mancher Trainer, als er Garrincha laufen sah. Was dann geschah, kann nur in Brasilien passieren. Garrincha wurde Weltmeister. Seine rückgratbrechenden Dribblings bleiben für immer unserer Erinnerung erhalten.
    Aymoré Moreira, erzählte von einem Teamtrainung, in dem er - ( 1962 ) - versuchte, das sogenannte “overlapping” einzustudieren. Anstatt nach vollzogenem Überspielmanöver gegen den Goalkeeper zu stürmen, wie man es von jedem anderen Fußballspieler erwarten würde, blieb Garrincha stehen, wartete bis der Verteidiger wieder die gewohnte Abwehrstellung eingenommen hatte, überspielte ihn und schoß das Tor... Teamtrainer Aymoré erzählte, er habe bald eingesehen, daß “overlapping” bei einem Genie wie Mané Garrincha nichts fruchtete.
     Viel Brasilianisches kann anhand dieser Episode erzählt werden. Der Alltag dieser närrischen Umwelt zwingt uns täglich zu improvisieren, um unvorhergesehene Hindernisse “auszutricksen”. Wir müssen dauernd umdisponieren, von Minute zu Minute alles neu planen. Wir können uns auf nichts verlassen. Weder auf unsere Mitmenschen, noch auf die Regierung.
     Diese scheinbare Unbill verlangt von uns stetige Wachsamkeit. Daraus resultiert eine Dynamik, die jeden Besucher aus Europa befremden mag. Es gilt, dieses Chaos irgendwie in den Griff zu bekommen. So lernen wir Zukunftspunkte, also future points wie beim Fußball zu erkennen.
    Während Garrincha in den 60er Jahren das Dressleibchen der “estrela solitária”, des “einsamen Sterns”, des Klubs Botafogo von Rio de Janeiro und der brasilianischen Nationalmannschaft trug, spielten die ersten brasilianischen Kicker in meiner österreichischen Heimat. Eine makellos urbanisierte Umwelt mit artigen und disziplinierten Menschen, die ihnen wie das Schlaraffenland vorkommen mußte.
    Vor zwei Jahren traf ich auf dem Grazer Hauptplatz den ehemaligen Nationalteam und Sturm Graz-Spieler Tesourinha. Er war zur Siegesfeier des damaligen Bundesligameisters eingeladen worden, bei der auch SambatänzerInnen in ihrer spärlichen Tracht mitwirkten. Tesourinha, ehemaliger Spieler vom Internacional de Porto Alegre, mittlerweile ein graukraushaariger Mittsechziger, erinnerte sich auch noch an seinen Spielerkollegen Traçaia, der einst bei der Fußballmannschaft meines Geburtsortes Kapfenberg, dem KSV in der Staatsliga A im Einsatz war.
    Heute spielt der Fußball der Kapfenberger Sportvereinigung nicht in der Bundesliga und in der interationalen Fußballszene keine Rolle, sondern vorläufig nur in der Regionalliga Mitte. Dafür ist das Alpenstadion schön ausgebaut worden, gibt es Flutlicht, eine Webpage - www.ksv-fussball.at - und einen viel zu großen Respekt vor Widersachern, Oponenten und Antagonisten.
     Erst wenn die braven KSV-Kicker ihren Gegnern gegenüber eine ähnliche Haltung einnehmen, wie Mané Garrinchas ulkige Verachtung aller gegnerischen Abwehrspieler, werden sie die emotionelle Reife haben, um aufzusteigen und zur Bundesliga zurückzukehren.
    Fortsetzung folgt… oder auch nicht.

    Agô nilê ó.

    Details der afrobrasilianischen Kultur

     São Bartolomeu, einzig unberührter Fleck an der Peripherie von Salvador. Slums, sogenannte “favelas” knabbern am Rande jenes bukolischen Narturparks und Wallfahrtsort ehemaliger Negersklaven. Angstvolle Menschen dunkler Haut, auf dem Wege zu ihren ethnischen Wurzeln und religiösen Bemünungen. Bäche und Wasserfälle für rituelle Waschungen. Heilige, den “Orixás” und afrikanischen Naturgöttern geweihten Bäume und Felsen, in deren Schatten dieselben invoziert, zu deren Ehren Opfergaben, sogenannte “ebós” abgelegt werden. Symbolische Geschenke und Opfer, die Geld und auch das Leben unschuldiger Tiere kosten, deren Blut den sakralen Boden des Parkes São Bartolomeu durchnäßt.
     Wichtigster Aspekt der Opfergaben liegt im persönlichen Wert der Geschenke. Sowohl ein Blumenstrauß als auch ein Fläschchen billigen Parfums bedeuten für die mittellosen Menschen einen wesentlichen materiellen Verzicht. Je größer das Opfer, umso besser die Chance, das Wohlgefallen des Orixá zu erheischen, seine Sympathie zu erwecken.
     Im afrobrasilianischen Kult hat jede Gottheit “Orixá”, sprich “Orishah”, nicht nur seine eigene Farbe. Der gläubige “Candomblézeiro” und vor allem die Heiligen-mütter - und väter, die sogenannten Ialorixás und Babalorixás und Ogáns kennen auch die Lieblingsspeisen ihrer Orixás.
     Wie weit die religiösen Opfergaben der afrikanischen Völker die Gastronomie Bahias, die “comida baiana” seit den ersten Tagen der Sklaverei beeinflussen weiß keiner. Fragen, die unbeantwortet und im engen Kreise der Eingeweihten verschlossen bleiben. “Abia”, die Novizin, für die Zutaten der Opfergaben zuständig, oder Köchin, oder beides? Nur die Orixás wissen es.
    Die Yorubás, in ihren verschiedenen Ethnien, sehen im “ebó” die wichtigste Form der Verständigung mit ihren Gottheiten. Federvieh, schwarze Hühner, Tauben, aber auch Ziegenböcke, Rinderköpfe, in Dendêöl geröstetes Maniokmehl, Popkorn, Schnapsflaschen, Zigarren, Münzen, Kerzen… kurzum “ebós”, “bozó”, “macumba”.
     Die Wasserfälle von Oxum, Nanã und Oxumaré, der Wald von Ogun, Oxossi und Ossanha, der Felsen des Omolú. Die Yorubás nennen die Orte der Anbetungen und Darbringungen der Opfergaben “ojubá orixá”, “ilê orixá” , oder igbô igbalé”. Der Park São Bartolomeu ist das alles.
     So wichtig São Bartolomeu auch für die baianische Kultur ist, ich würde jedem den Spaziergang durch diesen angeblich heiligen Ort abraten. Wie alles in Brasilien, so wird auch der “ilê orixá”, das Haus der Götter verunehrt und Raubüberfälle sind leider keine Seltenheit.
     In Salvador, Bahia, Brasilien und in Städten der Umgebung wie Cachoeira, Sto. Amaro und Maragogipe sind die von den Negersklaven mitgebrachten Expressionen der Kultur und Religion noch sehr stark vertreten.
     Es ziemt sich, um Erlaubnis zu bitten, wenn man den “terreiro” das Gelände religiöser Bemühungen betritt. “Agô”, die Erlaubnis. “Agô nilê ó”, ich bitte die “Orixás” um Erlaubnis, Euch von São Bartolomeu zu erzählen.

    Brasilianische Fußballgedanken
2. Teil Pelé
oder Schuster bleib bei deinem Leisten

    Daß Edson Arantes do Nascimento, alias Pelé, alias “Rei do Futebol”, also König des Fußballs, alias “Negão” der berühmteste Fußballer aller Zeiten ist, verdankt er sowohl seinem Talent, als auch einer großen Portion Glück.
    Pelé, spielte als Fußballprofi nur in drei Mannschaften, deren Namen zufällig aus sechs Buchstaben bestehen: Santos, Brasil, Cosmos. Seinen Ruhm verdankt er aber einem anderen Zufall.
     Sowohl beim Santos, als auch in der brasilianischen Nationalelf kriegte Pelé das runde Leder kraushaargenau zugespielt. Sowohl beim Santos, mit Hilfe von Coutinho und Mengalvi und in der Auswahl, an der Seite von Garrincha und Didi, fiel es ihm leicht vor dem Publikum zu brillieren. Außerdem geschah das just zu dem Zeitpunkt, als das Fernsehen damit begann, Fußballspiele zu übertragen. Nie zuvor hatte ein Kicker so gute Chancen gehabt, bei der breiten Masse namhaft und berühmt zu werden.
     In Brasilien ist Pelé nicht nur als Seine Majestät, der König des Fußballs bekannt, sondern auch dafür, einmal behauptet zu haben, die Brasilianer könnten nicht wählen und ihr Weg zur Urne wäre das reinste Trauerspiel.
    Warum in aller Welt mußte der vorwitzige Journalist Pelé eine politische Frage stellen, anstatt das Thema Fußball anzuschneiden?
     Nicht, daß Pelé mit seiner Behauptung auf dem Holzweg wäre. Ganz im Gegenteil! Pelé hatte recht. Damals und leider heute noch!
     Was mich stutzig macht ist die Tatsache, daß immer mehr Prominente und beliebig dahergelaufenen Figuren vor laufender Videokamera über sozioökonomische und schwerwiegende Probleme befragt werden, sobald sie durch irgendwelche Faxen zu einer mehr oder weniger kurzlebigen Berühmtheit werden. Hat Pelé Politische Wissenschaften studiert? Gewiß nicht!
    Wie viele Meinungen dreister Analphabeten mußten wir in den letzten Jahren passiv hinnehmen und verdauen? Skurrile Schlagersänger, minderjährige Topmodels, Karnevalskünstler, Sportler und nicht zuletzt publicityhungrige Starlets erscheinen täglich auf dem Bildschirm, beglücken uns mit ihren Meinungen.
     “Schuster bleib bei deinem Leisten”, sagt man, erwartet vom Schumi aber keine Aussage über Chromleder oder Sandalen, sondern Kommentare über Ferrari und das letzte Formel-I-Rennen.
     In der Folge sprechen Popmusiker über globale Marktwirtschaft, Schauspieler über internationale Politik und João da Silva aus Quixeramobim, der überraschende Sieger des letzten Marathonlaufes, über die neue Inszenierung der Fledermaus anlässlich der Salzburger Festspiele…
     So komisch und unorthodox es einem auch vorkommen mag, manche Meinungen wirken doch sehr beeindruckend. Inhaltlich kann nicht viel verlangt werden, aber eines muß man dieser ulkigen Prominenz lassen: das selbstsichere Auftreten vor der Kamera…
     Nicht selten hat das, was der langbeinige Langläufer oder der gewichtige Gewichtheber sagt sogar Hand und Fuß, bringt lebensnahes Klima, wenn auch keine akademischen Schnörkel, wie man es von Buchautoren gewohnt ist. Mitglieder von Literaturakademien, die immer brav beim Thema bleibend geröllfestes Schuhwerk verfassen und auch noch stolz sind auf den weltfremden Stiefel, den sie mit unsterblicher Würde zusammenschreiben.
     Ich wäre neugierig, was Arnold Schwarzenegger zu diesem Text sagen würde…

    Metamorphose weiblicher Reize

     Wohin schießen die Blicke österreichischer Männer, sobald sie einer Frau begegnen? An die Beine natürlich! Hier angelangt, lasse ich für einen kurzen Augenblick die Geschlechtlichkeit außer Spiel, um den Anschein zu erwecken, unbedingt politisch korrekt sein zu wollen. In Wirklichkeit ist mir die sogenannte political correctness vollkommen egal. Der folgende Text ist ein gutes Beispiel meiner politisch unkorrekten Denkweise und Haltung.
    Seit ich Zeitschriften wie Playboy, Status und Hustler kenne, hege ich leichten Verdacht, daß sich die Blicke der Amerikaner im Dekolleté der Frauen verlieren, während wir Österreicher auf die Waden blicken. Brasilianer wiederum schauen sich sogleich nach dem Popo um. Ein rundgetrimmter Hinterteil ist für sie das non plus ultra aller weiblichen Reize. Brasilianer ziehen die Guitarrenform vor. “Die nationale Präferenz”! Kleine Oberweite, großes Gesäß! Sie fürchten die Gesetze der Natur, heißt es. Aber unterliegen nur die Brüste der Schwerkraft? Werden Wammen und Hintern nicht auch von der Erde angezogen? Mit der Zeit fällt doch alles!
     Junge Brasilianerinnen scheint diese unerbittliche Tatsache nicht zu kümmern. Es gelingt ihnen sogar, den ohnehin weit ausladenden Podex durch besondere Körperhaltung - hohles Kreuz und andere Verrenkungen - noch größer erscheinen zu lassen... Auch ihre Haare werden immer glatter und blonder und Brüste wurden in Brasilien bisher eher verkleinert als vergrößert.
     “Dekolleté kann man kaufen, Waden nicht”, bemerkte einmal mein Freund, der Stahlplastiker und Galerist Hannes Pirker. Hannes, der stramme, schön geformte Waden hat, trägt mit Vorliebe Steirische Tracht und Kniehosen. Wer wird schon sein Licht unter den Scheffel stellen wollen? Kurze Lederhosen, weiße Kniestrümpfe und Haferlschuhe stehen ihm besonders gut…
     Mittlerweile bauen mehr oder weniger flachbrüstige Frauen nicht mehr nur auf SEMPERIT, sondern greifen kurzerhand nach Silikonimplantaten. Erfolgreiche Liposkulpturen und Genaralrunderneuerungen der Figur vervollständigen den Wunsch, den machoistischen Vorstellungen einer perfekten und gut aussehenden, weiblichen Silhouette gerecht zu werden.
     In temperierten Regionen, werden Körper und Extremitäten den Großteil des Jahres sorgfältig in Kleidungsstücke verpackt. Dort sind den Tricks, so vorteilhaft wie möglich auszusehen, keine Grenzen gesetzt. Je mehr Gewand, umso eleganter Männlein und Weiblein.
     Die Ernüchterung überfällt uns spätestens in der warmen Sommerszeit… wenn die Hüllen fallen. Wo einst ein stolzer Mann im Wintermantel einherschritt, zappeln nun dürre Beine in Richtung Schwimmbad oder Strand… Einst in schöne Kleider gehüllte Damen stellen plötzlich mehrere Hektare weißer Haut zur Schau, blenden die Augen unachtsamer Voyeure…
     Tatsache ist, daß es mit den Fortschritten der Plastikchirurgie immer schwieriger wird, alle Art von Korrekturen weiblicher Reize zu enttarnen, ihnen auf die Schliche zu kommen.
     Wie muß es in Kopf und Herz der heute heranwachsenden Buben aussehen? Werden sie lernen, eine natürliche Brust von einem Silikonbusen zu unterscheiden? Wie weit ist das noch von Bedeutung?
     Ein europäischer Photograph, desses Photos auf der Seite 6 einer Tageszeitung erscheinen schwört, keine “silikonierten” Nackedeis abzubilden. Ich glaube ihm nicht!
     Das alte Sprichwort: “Andere Länder, andere Sitten” muß jetzt anders heissen: “Andere Zeiten, andere Silhouetten”. Brasilianer, die immer schon winzige, in den Himmel zeigende Brüste bevorzugten, kriegen heute Stielaugen wenn Joana Praddo, die “feiticeira” oder Danielle Winits auf dem Bildschirm erscheinen. Beide mit fast 400ml Silikonprothesen pro “Zize”. Ob die doppelten Mitlaute der beiden Schönen etwas mit deren Oberweite und doppeltem “Airbag” zu tun haben? Österreichische Tiefenpsychologen könnten diesem Problem auf den Grund gehen, den Künstlerinnen in die Seele bzw. ins Dekolleté schauen…
     Als ein jahrzehntelang in Brasilien lebender Österreicher gefallen mir weiterhin schön geformte Beine. Mich freut auch der Anblick eines großzügigen und saftigen Busens… und seit einigen Jahren schau ich mich auch nach sanft vorbeiwiegenden Hinterbacken um. Ist das ein Zeichen frühzeitiger Senilität?

     copyright by Reinhard Lackinger




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